Back Home!

16Juli2014

Back Home

Zurück zuhause zu sein fühlte sich komisch an. In dem Moment wo man abends wieder ins alte neue Bett möchte, mag der Kopf nicht zur Ruhe kommen. Alles kreist, alles dreht sich. Mehr als vierzehn Stunden Flug mit Umstieg in Paris lagen hinter mir. Man weiß nicht wie einem geschieht. Als ich mich in Minneapolis, MN, von meinen Gasteltern verabschieden musste, kamen all diese schönen Erlebnisse die ich haben durfte und all die Erfahrungen die ich machen durfte, wieder in mir hoch. Es ist eine Achterbahnfahrt der Gefühle. Auf der einen Seite war ich traurig meine Gastfamilie und besonders meinen Gastbruder Spenser zu verlassen, auf der anderen Seite freute ich mich sehr meine Mutter, Großmutter und ihren Hund Wickie als auch meine Tante endlich wieder in die Arme schließen zu können.

Als ich nach ein wenig mehr als vierzehn Stunden in Berlin ankam, regnete es aus Eimer. Jemand schien meine Ankunft zu zelebrieren. Regnerisches Wetter war mir sehr gelegen. Besonders weil ich in Minnesota mit dreißig Grad und hoher Luftfeuchtigkeit gestartet war.
Als im Berliner Flughafen TXL das Gepäck ausgegeben werden sollte, kam es zu Schwierigkeiten. Das Gepäckband wollte nicht funktionieren.

Ich wusste dass ich wieder zurück in Berlin war. Jedoch zu wissen, dass die Familie nicht einmal zwanzig Meter entfernt steht, war allzu quälend. Es sollte fast eine Stunde dauern bis ich mein Gepäck hatte.

Eine kurze Zeit wird zur Ewigkeit und das Gepäck in den Händen zu Eisenklötzen die einen unentwegt nach unten ziehen wollen.  Den Moment wieder zurück zu kommen werde ich niemals vergessen. Wahrscheinlich fühlt es sich an wie einmal im Lotto zu gewinnen; Man fühlt überschwängliche Freunde, doch kann nicht so wirklich fassen, dass man tatsächlich wieder zuhause ist.

Meine Mutter holte gleich ihr Tablet aus der Tasche und schoss Fotos. Es war interessant zu sehen dass sich so viel, aber auch wirklich gar nichts verändert hatte.  Auf der einen Seite hatten wir wieder das nicht funktionierenden Gepäckband. Alles wirkte immer noch beschaulich. Doch meine Mutter mit einem Tablet zu sehen und die Familie in Tränen willkommen zu heißen war für mich dann doch alles andere als normal.

Nun bin ich bereits für zwei Wochen wieder zuhause und kann um ehrlich zu sein noch nicht einmal zum Geringsten begreifen, was ich alles in den Vereinigten Staaten erlebt habe. Prom, Graduation, Formal Dance und Ausflüge nach New York, Washington DC, Chicago und Denver sollten nur einige der Erlebnisse sein die ich in diesen 10 Monaten erfahren durfte.

Als ich vom Flughafen nach hause kam gab es Brötchen und diverse Lagen Aufschnitt. Es gab all das was ich über 10 Monate so vermisste... 

Graduation

16Juli2014

Graduation

Am Tag der Graduation wachte ich bereits um sechs Uhr morgens auf. Es war Sonntag. Ich war nervös. Meine Robe hing bereits am Schrank und meine Kamera lag bereit um Fotos zu schießen. An diesem Tag sollte meine gesamte Gastfamilie anreisen nur um mich bei der Graduation zu sehen. Ich starrte an die Decke und schaute wieder auf den Wecker. Fünf Minuten nach sechs war es nun. Um neun Uhr dreißig sollte an diesem Tag meine Graduation Party in der Shiloh Lutheran Church in Elmore, Minnesota, stattfinden. Meine Gastfamilie und Bekannte, Eltern und Freunde wollten kommen. Bereits in den letzten Tagen besuchte ich einige Graduation Parties zusammen mit meinem Freund Justus der so wie ich in Elmore, Minnesota, lebte. Er wollte mit seiner Gastmutter an diesem Tag auch zu meiner Graduation Party kommen. Ich versuchte noch ein wenig zu schlafen.

Um kurz nach sieben Uhr stand ich auf und bereitete Essen und Dekoration für meine Graduation Party vor. Am vorherigen Abend bereiteten meine Gastmutter und ich bereits Zimtrollen, Sandwiches und ein paar andere Kleinigkeiten vor. Ich druckte auch einige Fotos aus um sie meinen Freunden zu zeigen. Ich fand auch einige „Babyfotos“ und erstellte Kopien. 

Um kurz vor acht ging es zur Kirche. Der Gottesdienst sollte um acht Uhr dreißig beginnen. Es sollte mein letzter Gottesdienst in Minnesota werden. Pastor Bob ließ den ganzen Gottesdienst sich um mich drehen. Er erwies mir alle Ehre.

Nach dem Gottesdienst begann meine Graduation Party. Das Essen erwies sich als gut, die Dekoration als stimmig und die Fotos als sehr unterhaltend. Auch einige meiner besten Freunde schauten vorbei.

Um elf Uhr dreißig endete die Party und ich bereitete mich auf die eigentliche Graduation vor. Sie sollte um drei Uhr nachmittags beginnen und nicht mehr als eine Stunde dauern.

Als ich zuhause nach der Graduation Party ankam begann es bereits zu regnen. Wahrscheinlich habe ich noch nie in meinem Leben so viel Regen in solch kurzer Zeit erlebt. Einige spekulierten sogar bereits dass die Graduation ausfallen könnte . Es tat mir leid um all die Leute aus meiner Gastfamilie die stundenlang gefahren waren nur um mich an diesem Tag zu sehen. Sie saßen im Wohnzimmer und unterhielten sich. Im Nebenraum spielten die Kinder.

Um drei Uhr machten wir uns dennoch von Elmore nach Blue Earth auf den Weg. Die High School lag am anderen Ende von Blue Earth. Der Parkplatz war bereits stark überfüllt. Meine Robe hing noch immer im Auto. Ich stieg aus und streifte sie mir über.  Als ich die Schule eintrat hörte ich bereits das Orchester der Schule spielen. Es sollte nicht mehr lange dauern!

Meine Gasteltern gingen bereits in die Turnhalle wo auch unser Prom (http://www.high-school-community.de/content/photostory/prom-minnesota) stattfand. Ich gab meiner Gastmutter meine Kamera. Sie schoss von ein paar Freunden und mir Fotos und ging anschließend mit dem Rest der Familie zusammen in die Turnhalle. Mr. Holmseth, Lehrer für American Law und Money Management, reihte uns auf.

Nach zwanzig Minuten des Wartens ertönten endlich die Trompeten und wir durften unter Applaus die Turnhalle betreten. Mehr als eintausend Leute fanden in der Turnhalle Platz und schauten uns nun zu wie wir die Halle betraten. Die Reihe in der ich stand wurde kürzer und kürzer. Nun war mein Moment gekommen. Unter dröhnendem Applaus und dem Nicken meines Physiklehrers Mr. Franta betrat ich die Halle. Ich war einer der letzten der die Halle betrat. Ich setze mich in Reih und Glied mit den anderen Austauschschülern. Die Musik verstummt und der Direktor der High School betrat das Podium. Seine Rede sollte nur wenige Minuten dauern. Eigentlich las er nur aus einem Buch vor. Anscheinend hielt er es für eine lehrreiche Geschichte. Die meisten von uns waren jedoch zu nervös um auch nur einen Hauch von Konzentration aufbringen zu können. Als seine Rede endete stimmte der Chor ein. Es sollte ein schleppendes Lied sein. Nachfolgend bat der Direktor Audrey McDonald, Senior und National Honor Society Student, auf die Bühne. Sie hielt eine kurze Ansprache und verlieh den „Teacher of the Year Award“ an Mrs. Alleven, Lehrerin für Composition und Public Speaking.  

Als nächstes kamen die Gastredner auf die Bühne und schossen ein Selfie das für mich in die Ewigkeit eingehen wird.

Alle waren nun sehr nervös. Die Gastschüler bekamen ihre Certificates of Attendance zuerst. Alle Gastschüler wurden vom Direktoren geben sich neben der Bühne aufzureihen.

Einige Momente später bekam ich bereits mein Zertifikat und verließ glücklich die Bühne. Meine Gastfamilie schoss Fotos.

Diesen Tag werde ich wahrscheinlich für immer in Erinnerungen behalten. War es doch mein erster Schulabschluss. Nun zuhause in Deutschland angekommen habe ich nicht nur mein Zertifikat dabei, sondern ein Koffer voller Erinnerungen...

In diesem Jahr lernte ich zu leben

16Juli2014

In diesem Jahr lernte ich zu leben

Wieder zu hause zu sein ist manchmal ein wenig eigenartig. Nach einem Jahr in Minnesota kann ich nun auf viele schöne, viele lehrreiche und wenig schlechte Erfahrungen zurück blicken. Prom, Formal Dance, Graduation, SCC Champion, New York, Washington DC, Chicago, Denver und Mount Rushmore sollten nur einige der großartigen Erlebnisse sein von denen ich noch meinen Kindern und Enkelkindern berichten werde. In diesem Jahr lernte ich zu leben, entdeckte das Orgelspiel für mich und lernte wie es ist von seiner Familie achttausend Meilen entfernt zu wohnen.

Bevor ich das Austauschjahr in den USA antrat hatte ich Vorurteile. Positiv wie auch negativ. Ich hörte von Schülern und deren Gastfamilien. Vieles schockierte mich und ich konnte nicht fassen was manchen passierte. Jeder schien jedoch gute Erfahrungen mit GLS gemacht zu haben. Dennoch wusste ich nicht genau was ich von meinem Auslandsjahr erwarten sollte.

Mit diesem Artikel möchte ich euch einen kurzen Einblick in die schönsten Momente in den USA geben.
 

F1: Badlands National Park

F2: Auf unserem Weg zum Mount Rushmore

F3: Am Mount Rushmore

F4: Im Custer State Park

F5: Austauschschüler der Blue Earth Area High School, Blue Earth, MN

F6: Mein Homecomingdate und ich 

F7: Zum Oktoberfest in New Ulm

F8: Alle deutschen Austauschschüler an der Blue Earth Area High School

F9: Mein Freund Justus und ich @ Pikes Peak (1)

F10: Mein Freund Justus und ich @ Pikes Peak (2)

F11: Weihnachten mit meiner Gastfamilie

F12: Ein Foto das meine Mutter mir an Weihnachten schickte

F13: Bei Aufführung des Weihnachtsmärchens 

F14: Justus und ich in Chicago

F15: Während extra credit week 

F16: Bei Minnesota Timberwolves Spiel mit Lucy, einer guten Freundin aus Bloomington

F17: Justus und ich am Timesquare in New York

F18: Justus und ich am Yankee Stadium in der Bronx

F19: Justus und ich bei "LION KING" in New York

F20: Columbia University

F21: In unserem Hotel ^^

F22: Nachbarskinder und ich

F23: Meine Gastbrüder und ich beim Schneeschippen 

F24: Dakota und ich beim BEA Winter Formal Dance

F25: (v.r.n.l): Andy, Melanie, Tashina, ich 

 

F27: BEA Boys Tennisteam 2014

F28: Im Physikunterricht 

F29: Nach dem ersten Tennisspiel der Saison in Waseca

F30: Erstes Saisonspiel in Waseca

F31: Mein Gastbruder Spenser und ich 

F32: In Elmore, MN

F33: (v.r.n.l) Frannie, Hunter, ich 

F34: Mein Promdate Tashina und ich (1)

 

F37: Unsere Gruppe vor unserer Limousine 

F38: Bei Freunden meiner Gastfamilie am South Silver Lake, MN

F39: Mein AP US History Kurs

F40: Meine Gastmutter Margaret und ich 

F41: Meine besten Freunde am Tag der Graduation 

F42: Bei meiner "Goodbye America" Abschlussparty 

F43: Am Kennedy Center in Washington DC

F44: SCC Champion und Athlete of the Week 

F45: Unser Gasthund "Peewee" und ich 

F46: Meine Gastcousine Claire und ich

Mein größter Dank gebührt Anne Dietrich von GLS und dem Deutschen Fachverband High School e.V., der es mir durch ein Vollstipendium ermöglichte in die USA zu reisen.
All dies habe ich meiner Familie, meiner Gastfamilie in den USA, die für mich zu einer zweiten Familie geworden ist, und all meinen Freunden überall um die Welt zu verdanken! 

Prom In Minnesota

16Juli2014

Prom In Minnesota

Prom In Minnesota (2014)

Glitzernde Kleider, aufgesetzte Lachen, und jede menge Verwandte die Fotos schießen wollen – Ein typischer Abschlussball in Amerika. Jedes Jahr findet zum Ende des Schuljahres ein Ball statt zu dem sich Paare finden und einen Tag lang, so die Norm, sich passend kleiden, den Grand March bestreiten und gut aussehen müssen.

Erst vor einigen Wochen fand der Winter Formal Dance unserer High School statt. Es schien eine Generalprobe für den eigentlichen „großen Abend“ gewesen zu sein. Mein Date Tashina, die an diesem Abend noch von einem anderen Jungen auf der Bühne zum Prom ausgeführt werden wollte, entschied sich letztendlich doch für mich. Jose, der Junge der sie versuchte auszuführen, musste sich die Häme der anderen Mitschüler gefallen lassen. Gerade als Austauschschüler jedoch beglückwünschten mich die meisten meiner Mitschüler. Tashina, mein Promdate und Ex-Freundin des Quarterbacks Kysten, schien sich besonders auf den Abschlussball zu freuen. Auch Kysten gratulierte mir und seine „Jungs“ gaben mir einen Klapps auf die Schulter mit den Worten „good job“.
Es fühlte sich gut an. Tashina und ich kannten uns schon gut aus dem Compositionkurs, den Ms. Alleven, die wohl meist gefürchtetste Lehrerin der Schule, unterrichtete. Tashina und ich arbeiteten in ihrem Kurs gerne zusammen. Hunter, eine Freundin von Tashina, stellte Tashina mir zu Beginn des Kurses vor und gehört bis heute zu meinen besten Freunden.

Tashina wollte jedoch einen Deal. Ich dürfe vor dem Abschlussball nicht ihr Kleid sehen und ich müsse sie noch einmal zum Prom fragen. (Es ist in Minnesota Tradition dass der Junge sein Date auf einem kreativen Weg fragt ob er sie zum Prom ausführen darf.) Um ehrlich zu sein hatte ich noch keinen blassen Schimmer, was ich genau machen sollte. Ich sagte jedoch „ja“ (was blieb mir anderes übrig?) und genoss den Moment. Bei den meisten Schülern herrschte noch ein wenig Verwirrung. Viele dachten Jose würde noch mit Tashina zum Prom gehen, andere wussten bereits, dass ich mit ihr wieder ging und dann gab es noch die Leute die das ganze überhaupt nicht interessierte. Zu diesen Leuten gehörten auch meine Gasteltern. Meine Gasteltern schienen nicht viel mit etwas wie einem Prom anfangen zu können. Mein älterer Gastbruder Spenser wollte auch gerne zum Prom gehen, entschied sich aber dafür doch besser nächstes Jahr zu gehen. Ihm fehlte in diesem Jahr auch das Date. Seine Freundin machte erst ein paar Tage nach dem Formal Dance mit ihm Schluss und immer mit ein wenig Galgenhumor fragte er mich „Was will ich da denn überhaupt?“. Ich wusste wie er sich fühlte und versuchte ihm beizustehen.

Drei Wochen vor dem Prom Dance verabredeten sich Tashina und ich. Wir hatten vor einen Tuxedo (kurz: „Tux“) bei „The Perfect Gentleman“, einem nahelegenden Geschäft, zu mieten. Tashina und ich trafen uns nach der Schule zusammen an der Athletic Door, einer Hintertür des Schulgebäudes, die zum Parkplatz führte. Sie wartete bereits auf mich. Sam und Melanie, zwei ihrer besten Freunde, warteten mit ihr. Sam kannte ich bereits aus meinem Physikkurs und Melanie vom Formal Dance. Tashina brachte Sam noch kurz zur Arbeit. Ich dachte Melanie würde sie einen „ride“ nach hause geben, doch scheinbar wollte sie Melanie bei der Auswahl des Tuxedos dabei haben. Mich störte es nicht. Als Tashina, Melanie und ich bei „The Perfect Gentleman“ ankamen, schien das Geschäft verlassen. Kein Licht erhellte ein Zimmer und die Tür war verschlossen. Den Termin den Tashina im Voraus gemacht hatte schien sich in Luft aufgelöst zu haben. Tashina holte ich iPhone aus der Tasche und rief die Geschäftsführerin an. Sie lief nervös auf und ab. Nach einigen Minuten legte Tashina auf. Melanie und ich unterhielten uns in der Zwischenzeit. Der Termin der eigentlich für kurz nach drei Uhr mittags geplant war, musste nun auf fünf Uhr abends verschoben werden. Tashina schien ein wenig sauer. Sie musste an diesem Tag noch zur Arbeit im St. Lukes Hospital. Sie rief im Krankenhaus an, verschob ihre Schicht und lud mich zu ihr nach hause ein. Natürlich willigte ich ein. Melanie kam auch wieder mit uns mit.

Wie bereits beim Formal Dance warteten Tashinas Eltern in der Küche. Der Fakt, dass ihre Eltern mich liebten und ohne zu übertreiben mich zu „Tashina kümpftigen Ehemann“ machen wollten, ließ mich um einiges unattraktiver wirken. Bei ihr angekommen warteten nicht nur ihre Eltern sondern auch einige „Poptarts“ (ganz schrecklich süße Kekse) die Tashina mir zeigen wollte. Vor einigen Tagen erzählte ich ihr, dass ich nach sieben Monaten in den USA noch nicht besonders viele typisch amerikanische Süßigkeiten gegessen hatte. Seit dem zeigte sie mir bei jeder Gelegenheit typisch amerikanische Produkte. Ihre Eltern jedoch wollten viel über Deutschland wissen und warum ich einen Austausch gerade nach Amerika machen wollte. Ich erzählte ihnen von meinem Stipendium und den Plänen die ich für meine Zukunft habe. Wie Mütter nun mal sind, fragte Tashinas Mutter, ob Tashina und ich nun endlich ein Pärchen wären. Natürlich verneinte Tashina und warf mir einen „so-ist-nun-mal-meine-Mutter“-Blick zu.

Es wurde nun langsam Abend und die Straßenlichter gingen an. Tashina, Melanie und ich machten uns um kurz vor fünf Uhr wieder auf den Weg.

Als wir bei  „The Perfect Gentleman“ ankamen wartete bereits die Geschäftsführerin auf uns. Tashina holt ein kleines Stück Pappe aus ihrer Tasche. Es war ein Sample ihres Kleides auf das Stück Pappe gespannt. Als wir ins Haus eintraten und in die Küche der Dame gingen, sah ich bereits einige Tuxedos mit Namen versehen im Wartebereich. Wir waren an diesem Abend das einzige Pärchen. Der dritte Punkt unseres Deals war, dass sie sich meinen Tuxedo und dessen Farbe aussuchen durfte. Sie entschied sich für einen grauen Tuxedo, mit hellblauer Weste. Um ehrlich zu sein fand ich die Farben nicht besonders stimmig. Ich dachte das blaue sei zu grell und sowieso konnte ich mit Farben bei einem Anzug nicht besonders viel anfangen. Es war jedoch Tradition und die Norm in Minnesota. Zum Glück wollte sie kein Pink oder ein Camouflagemuster wie andere Schüler es später trugen. Ich schien Glück im Unglück zu haben. Nach einer halben Stunde waren wir bereits fertig und Tashina wirkte glücklich. Sie fuhr mich noch zurück nach hause, küsste mich auf die Wange und verabschiede sich.

Am selben Abend schickte mir Adrianna, eine Freundin von Tashina, ein Foto von der Limousine die wir am Tag das Proms besteigen durften. In der Limousine sollten vier Pärchen Platz finden.

F1: Unsere Limousine (Prom)                                

Nach ein paar Tagen bekam ich eine SMS von der Geschäftsführerin des „The Perfect Gentlemans“ . Mein Tuxedo sei fertig und bereit zum Abholen. Mein Gastvater Richard und ich fuhren noch am selben Tag zum Geschäft und holten ihn ab. Als ich das Geschäft betrat erfuhr es mich jedoch wie ein Schlag. Jose. Er war im Geschäft. Seine Schuhe standen an der Tür. Ich erkannte sie sofort. Die Situation war ein wenig eigenartig als Jose und ich uns in der Küche trafen. Wir hatten uns seit dem Abend des Formal Dances nicht mehr gesehen. Nur ein kurzes „hey“ wurde ausgetauscht. Dann trennten sich unsere Wege auch schon wieder. Jose und ich werden wohl niemals Freunde werden...

Nach einigen Minuten verließ er jedoch auch schon das Geschäft. Die Geschäftsführerin reichte mir meinem Tuxedo. Ich ging in einen Nebenraum und probierte ihn an. Alles schien gut zu passen. Die Schuhe gefielen mir jedoch nicht besonders sodass ich noch einmal neue ordern ließ. In zwei Tagen sollten sie ankommen.

F2: Bei "The Perfect Gentleman" 

In der Zwischenzeit machte ich mir Gedanken wie ich Tashina zum Prom fragen könnte. David, ein Freund aus dem AP Calc Kurs, schlug vor Glückskekse zu backen in der ein kleiner Zettel steckt auf dem „Prom?“ stehen würde. Er habe es bei seinem Date probiert und sie hätte sich sehr gefreut. Nach all diesem hin und her wollte ich jedoch etwas kreativeres veranstalten. Viele Ideen gingen mir durch den Kopf, nur nicht die Richtige. Als ich an einem Samstag mit meiner Mutter skypte fragte sie mich ob ich noch Schokolade oder andere Süßigkeiten aus Deutschland haben wolle. Eigentlich war ich gut versorgt. Tashina erzählte mir jedoch vor einigen Wochen, dass sie so sehr die deutschen „Überraschungseier“ mag. In Amerika sind die Überraschungseier seit einigen Jahren verboten weil ein „nicht essbares Objekt eingeschlossen ist“ (US Food and Drug Administration).

Ich ließ mir also alle möglichen deutschen Süßigkeiten von meiner Mutter schickten und fuhr mit meiner Gastmutter zum nahegelegenen WALMART in Blue Earth. Tashina wohnte auch in Blue Earth. Wir kauften ein paar Kleinigkeiten um Tashinas Geschenk noch ein wenig ansprechender aussehen zu lassen. Zurück im Auto beschriftete ich einen kleinen Zettel und klebte ihn auf die rote Geschenktüte die meine Gastmutter und ich für sie kauften. Meine Gastmutter wurde ein wenig ungeduldig. Nach ein paar Minuten des Verpackens brachen wir zu Tashina auf.

Wir parkten jedoch nicht in der Einfahrt. Ich hatte einen anderen Plan. Wir parkten um die Ecke und ich schlich mich mit der Tüte über zwei Nachbargrundstücke zu ihrem Haus zur Vordertür. Ich stellte die Tüte ab und ging den selben Weg wieder zurück.

Im Auto nahm ich mein Handy heraus und schrieb ihr die Nachricht: „Hey sweetie, check your front porch“. Einige Minuten später erhielt ich eine Nachricht zurück und eine glückliche Tashina.

F4: Tashinas anschließender Post auf INSTAGRAM (die Eier dort an der Seite sind natürlich keine Überraschungseier...) 

Der Abschlussball/Prom sollte am 26. April in der High School stattfinden. Am „großen Tag“ stand ich bereits um acht Uhr morgens auf. Am Sonntag gingen wir immer in die Kirche, Samstag war also normalerweise der einzige Tag an dem ich mal richtig ausschlafen konnten. Nicht jedoch am Tag des Abschlussballs. Am Morgen des Abschlussballs traute ich mich erst einmal nicht zu essen. Ich was sehr nervös. Gerade als Austauschschüler ist ein Abschlussball mal eine ganz andere Erfahrung. Man möchte keinen enttäuschen, jedoch auch keinem falsche Hoffnungen machen. Tashina und ich hatten das Glück gute Freunde zu sein.

Um 13.45 Uhr sollte ich bereits bei Tashinas Freundin Melanie sein. Ihre Eltern wollten Fotos schießen. Vorher jedoch musste ich mich passend zum Prom anziehen. Alles passte und auch die neu bestellten Schuhe gefielen mir sehr. Ich war überglücklich, jedoch sehr nervös. Meine Gasteltern waren morgens im Café. Ich blieb zuhause und zog mich um. Immer wieder ging ich zum Spiegel, zupfte an meiner Weste und machte mir Gedanken ob ich auch wirklich gut genug aussehen würde. Als mein Gastvater Richard mich abholte und wir gemeinsam zu Melanie fuhren wurde mir ein wenig mulmig. Viele Leute schreiben mir Nerven aus Drahtseil zu. Manchmal jedoch bin selbst ich ängstlich. Immer wieder checkte ich meinen Atem. All das mag sich nun wirklich sehr clichéehaft sich anhören. Genau das sollte es jedoch auch sein. Auf dem Weg zu Melanie holten wir noch Blumen für meinen Tuxedo und Tashina. Als mein Gastvater Richard und ich jedoch bei den Schneiders (Melanie’s Eltern) ankamen, blieb uns beiden die Spucke weg. Richard sagte nur: „Ich wünschte ich wäre wieder siebzehn...“. Ich hätte es ihm gewünscht. Umso glücklicher erwies ich mich Tashina an diesem Tag zum Prom ausführen zu dürfen. Ich fragte mich an diesem Tag des Öfteren wie ich all dies nur zustande gebracht hatte. Ein Gefühl von Stolz und Ehrfurcht erfuhr mich. Tashina schien sehr entspannt. Mein Gastvater Richard ging nach fünf Minuten bereits wieder und verabschiedete sich.  Herr und Frau Schneider und einige andere Elternpaare gingen mit uns in den Garten. Wir schossen Fotos und bestellten die Limousine zum Haus.

F5: Tashina und ich in Mr. Schneiders Garten (1)

 

F7: Gruppefoto (1)

F8: Gruppefoto (2)

 

F10: Bereit machen für Fotos

Nachdem wir die Fotos schossen, warteten wir noch einige Minuten auf die Limousine. Der Fahrer schien unser Haus nicht zu finden. Nach einigem hin und her fand er das Haus der Schneiders.

F11: Gruppefoto (4)

 

F13: Gruppenfoto in der Limousine 

Immer wieder kamen das eine oder beide Elternteile zu uns. „Setzt euch mal so hin. Ja genau so. Und bitte lächeln. Leon man sieht dich ja gar nicht. Beug’ dich mal ein wenig nach vorne. Caitlyn, mach’ mal die Haare aus dem Gesicht. Und jetzt alle still halten! ... Ne, nochmal.“

F14: Gruppenfoto in der Limousine (2)

Links (v.v.n.h.): Caitlyn, Melanie, Adrianna, Tashina; Rechts (v.v.n.h.): Tyler, Andy, Sam, Leon

Es dauerte sicherlich zwanzig Minuten bis wieder die Einfahrt der Schneiders verließen und uns auf den Weg zu „Double Play“ einem lokalen Restaurant im Herzen der Stadt Blue Earth machten. Wir hatten eine Reservierung für 17.00 Uhr. Es war halb-fünf und wir hatten noch ein wenig Zeit die Anlage bis auf das Äußerste zu testen und ein wenig Eindruck in Blue Earth zu schinden. Mir sollte es an diesem Tag recht sein. Tashina schien ein wenig nervös geworden zu sein. Immer wieder spielte sie mit ihren Fingern an meinem Jackett. Wir hielten Händchen. Wahrscheinlich verhalf mir all dies ein wenig zur Ruhe. Wie sonst auch hätte ich meine Rolle als „Mann“ klar machen können als sie zu beruhigen. Nach einer halben Stunde Fahrt und unzähligen Hubkonzerten des Chauffeurs kamen wir bei Double Play an. Einige der Elternteile warteten bereits vor dem Eingang von Double Play und filmten wie sich die Limousine langsam durch die dicht geparkten Autos zwängte.

Als wir ausstiegen fühlten wir uns ein wenig wie Stars. Alle schossen Fotos und Leute starrten uns an als wären wir eine neu entdeckte Spezies. Wir genossen diese Minute der Bewunderung sehr und gingen zu einem abgetrennten Bereich im hinteren Teil des Restaurants. Tashina hielt nicht mehr meine Hand, doch wirkte sie umso glücklicher zu sehen dass alles perfekt lief. Sie glücklich zu sehen machte mich glücklich. Als wir uns hinsetzten und aßen stupste sie mich unter dem Tisch immer wieder an. Die Tischgespräche sanken im Niveau von Minute zu Minute und Tashina schien sich ein wenig für ihre Freunde zu schämen. Als ihre Freunde dann auch noch begannen uns weiter zu verkuppeln, kam zum Glück die Mutter von Tyler in den abgetrennten Bereich, stellte sich auf einen Stuhl und schoss Fotos. Tashina schien erleichtert. Ich war es auch. Sie schien jedoch ein wenig müde. Am selben Tag war sie bereits mit dem Cheerleadingteam zu einem Turnier gewesen. Ich konnte sie gut verstehen, hatte ich doch selbst in der Woche des Abschlussballs vier Tennisspiele gehabt.

Nach bereits fünfundzwanzig Minuten waren wir fertig und wollten die Limousine noch ein wenig nutzen. Adrianna rief den Chauffeur an. Er stand mit der Limousine direkt um die Ecke und holte uns sofort ab. Wieder konnten wir eine Minute des Stardoms genießen. Alle schossen Fotos und die neue Spezies wurde ausgiebig bewundert. Wir hatten noch vierzig Minuten Zeit bis wir bei der High School sein mussten. Wir entschieden uns einfach in der Stadt noch ein wenig herum zu fahren (und noch ein wenig mehr Eindruck zu schinden). Auf dem Weg zur High School sahen wir noch eine andere Limousine und Tyler konnte es sich einfach nicht verkneifen seine Hose herunter zu ziehen, das Fenster aufzumachen und den Vollmond aufgehen zu lassen. Alle deutschen Manieren schienen über Bord geworfen zu werden. Zumindest für einen Tag. Tashina, die sonst eigentlich eher nicht besonders laut und obszön ist, filmte unter heiterem Gelächter wie der Vollmond aufging.

Schlussendlich brachte uns der Chauffeur unbeschädigt zur High School. Die neue Spezies wurde bei der High School im ganz neuen Ausmaß bewundert. Nicht nur Bekannte oder Familienangehörige, sondern Fremde und Schaulustige schossen Fotos von uns, schüttelten Hände und formten eine kleine Schneise durch die Tashina, alle die anderen und ich uns anschließend zwängten. Mr. Holmseth, Lehrer für American Law und Management, begrüßte uns zusammen mit Melanies Vater Mr. Schneider. Man merkte ihm seinen Stolz für seine Tochter deutlich an. Mein Gastvater Richard und meine Gastmutter Margaret waren auch anwesend. Richard und Margaret winkten. Sie schienen genau so stolz wie Mr. Schneider. Als ich mich umdrehte war Tashina bereits dabei mit Verwandten Fotos zu schießen. Auch ihre Mutter und Großmutter kamen zu mir, schüttelten mir die Hand und konnten gar nicht oft genug sagen wie froh sie seien, dass ich Tashina an diesem Abend zum Prom ausführen würde. Mr. Holmseth ging währenddessen nervös auf und ab. Er schien etwas zu zählen. Immer wieder machte er sich Notizen. Zählte ein weiteres Mal. Und machte sich Notizen.

F16: Tashina und ich 

Nach ein paar Minuten des Wartens ertönte eine Lautsprecheransage: „Wir möchten nun alle Eltern bitten in die Turnhalle zu kommen“. In der Turnhalle sollte an diesem Abend der offizielle Teil des Abschlussballes stattfinden. Alles war dekoriert für den Grand March. Bei einem Grand March hat jedes Pärchen eine halbe Minute ganz für sich allein um durch die festlich geschmückte Turnhalle zu laufen und Fotos schießen zu lassen. Alles war dekoriert in den ausgefallensten Farben. Wir hatten jedoch wenig Zeit die Dekoration zu bewundern. In Amerika wird nicht gefackelt. Mr. Holmseth orderte die Hälfte der Pärchen in einen Gang links neben der Turnhalle. Die andere Hälfte der Pärchen war im rechten Gang neben der Turnhalle plaziert. Tashina und ich waren im linken Gang gegen Ende zusammen mit ihren Freundinnen platziert. Es sollte eine Ewigkeit dauern bis wir an der Reihe waren. Es ging bereits relativ zügig los, doch meine Nervosität ließ diese fünfundvierzig Minuten des Wartens bis zu unserem großen Moment wie gefühlte zehn Stunden erscheinen.

In einigen Artikeln die ich für GLS schrieb, erwähnte ich bereits, dass ich überall auf meinen Reisen Pennys mit „Kopf oben“ fand. „Kopf oben“ bringt ja bekanntlich Glück. Wäre ich abergläubisch, wäre meine nächste Entdeckung ein sehr schlechtes Ohmen gewesen: Ich fand einen Penny „Kopf unten“ wenige Sekunden bevor ich die Bühne zum Grand March betrat. Zum Glück bin jedoch nicht abergläubisch. Was konnte ein Stück verkupferter Zink an solch einem Abend schon anrichten?
Nun war es jedoch so weit. Tashina und ich gingen auf die Bühne, der Applaus begann und die Musik begann zu spielen. Coldplays „Magic“ sollte uns auf dem Grand March begleiten. Seither ist es einer meiner Lieblingssongs. Alles schien zu passen. Jeder schoss Fotos, jeder applaudierte, Tashina strahlte. Ich war überglücklich.

 

Call it magic,

Cut me into two

And with all your magic,

I disappear from view

And I can't get over,

Can't get over you

Still, I call it magic,

You're such a precious jewel

 

Alles schien zu passen. Alles war perfekt. Nichts konnte uns aufhalten.

F18: Tashina und ich auf dem Grand March (1)

 

F19: Tashina und ich auf dem Grand March (2)

Nach dem Grand March wurden wir gebeten noch einmal mit unseren besten Freunden eine Runde durch die Turnhalle zu gehen. Tashina ging mit Melanie, Adrianna und Caitlyn. Ich ging mit Sam und Andy. So gut wie alle trugen Masken, außer ich. Die Maske passte nicht über meine Brille. Ich ließ sie locker um meinen Hals baumeln. Nach dem Grand March und einem kleinen Snack sollte die After Party beginnen und anschließend der Postprom folgend. Vorher jedoch wurden noch einige Fotos von Eltern, Angehörigen und die, die es gerne wären geschossen. Justus, ein Freund von mir, der auch als Austauschschüler nach Minnesota kam, schoss einige Fotos mit Tashina und mir.

F20: Gruppenfoto (v.l.n.r. Tashina, Leon, Justus, Madeleine) 

Die After Party verlief gut. Tashina schien jedoch immer müder zu werden und saß für einige Zeit nur an der Seite. Selbst wenn ich sie versuchte zum Tanz aufzufordern verneinte sie. Ich setzte mich neben sie. Tashina lehnten ihren Kopf gegen meine Schulter und schloss die Augen. Sie schien schon fast weggenickt als die Musik begann zu spielen. Die After Party war nun im vollen Gange. Um ehrlich zu sein bin ich kein großer Freund vom Tanzen. Justus war jedoch auch dabei. Auch er schien erleichtert zu sein den offiziellen Teil des Abends heil und ohne Häme überstanden zu haben. Keiner von uns trat auf des Dates’ Kleid und auch beim Tanzen stellten wir uns gut an. Nach zwei Stunden und einigen Softdrinks bat ich Tashina um einen Tanz. Es sollte wie beim Formal Dance wieder ein „Slow Dance“ sein. Das Lied begann. Tashina schien noch immer müde, doch glücklich. Sie lächelte. Wir schwiegen. „Leon, wollen wir zu mir nach hause gehen?“ Ich guckte ihr in die Augen und nickte. Als der Tanz vorbei war kam Justus zu mir herüber. „Wir gehen zu i-hiier“, sagte ich. Er machte große Augen und haute mir zwei Mal auf die Schulter. „Atta Boy, Atta boy“, fügte er hinzu.

Ich war nervös. Sehr nervös. Ich wusste nicht genau was sie damit meinte. Sie war nicht wie jedes normale Mädchen. Sie war anders. So anders, dass ich noch nicht einmal wusste ob ich etwas Romantisches oder eine Runde Topfschlagen erwarten sollte. Wir waren jedoch ohne Auto bei der High School, sodass uns Adrianna zu Tashinas Haus brachte. Es war ein wenig komisch für mich als wir bei Tashinas Haus ankamen. War ich doch achttausend Meilen entfernt von zuhause und nun allein mit einem Mädchen das ich glaube zu kennen mich dann aber doch oft wieder aufs Neue überraschte. So anders wie sie war ging sie erst einmal zum Kühlschrank, trank Orangensaft und kam wieder zurück. Wir setzten uns zusammen auf eines der großen Fensterbretter und ließen den Abend ausklingen. Wir hatten zwei Stunden bis der Postprom begann. Wir unterhielten uns viel und genossen den Moment.

Um kurz vor Mitternacht zogen wir uns beide um, legten nochmal ein wenig Perfüm auf, machten noch einmal die Haare und stiegen zusammen in ihr Auto. Der Postprom sollte genau um Mitternacht beginnen und sich bis in die frühen Morgenstunden ziehen. Besonderheit des Abends sollte ein Hypnotiseur aus Chicago sein. Beim Postprom traf ich auch Hunter (die mich mit Tashina in gewisser Weise verkuppelte).

F21: Hunter und ich (2)

Es gab kostenlose Eis-Cream, Subway Sandwiches, Pizza Hut-Pizzas und vieles mehr. Der Hypnotiseur kam um kurz nach ein Uhr nachts. Seine Show sollte sich über mehr als zwei Stunden hinziehen. Er war großartig, auch wenn man ja nie weiß ob man einen Scharlatan vor sich hat oder nicht. Ich wollte es an diesem Abend nicht riskieren. Andere jedoch schon. Und was er mit ihnen anstellte war atemberaubend. Tashina saß mit ihren Freundinnen zusammen. Hunter und ich gingen öfter mal in den Nebenraum wo man Fotos schießen lassen konnte. Natürlich bediente ich mich auch reichlich an der Eis-Cream. Um fünf Uhr (morgens) fand die alljährliche Preisverleihung statt. Justus gewann eine Geschenkkarte im Werte von fünfzig Dollar und ich eine Geschenkkarte im Werte von fünfundzwanzig Dollar. An diesem Abend ging es jedoch nicht ums gewinnen. An diesem Abend gewann ich all das was ich mir immer erträumt hatte. Als wir um halb sechs langsam zum Auto von Justus’ Gastmutter gingen schienen wir überhaupt nicht müde. Justus wollte sogar noch zu McDonalds; Wir taten es dann aber doch nicht.

Zuhause angekommen sah ich langsam wie die Sonne den Horizont überwand und einige Strahlen meine Haut benetzten. Meine Gedanken kreisten noch um den Abschlussball, meinen Tuxedo und die Jungs, den Penny und die Abendmaske, doch besonders kreisten meine Gedanken an diesem Abend um eine ganz besondere Person...

                                            

And if you were to ask me

After all that we've been through

"Still believe in magic?"

Well yes, I do

 

Tennis in Minnesota

16Juli2014

Tennis in Minnesota

Tennis in Minnesota

Schon seit einigen Jahren ist Tennis meine Leidenschaft, doch musste ich für einige Jahre in Deutschland aussetzten. Nun konnte ich in Minnesota wieder von Neuem anfangen. Wie in Amerika üblich, hatte auch ich im Tennisteam der Blue Earth Area High School fünf Mal die Woche Training. Wo in Deutschland drei oder vier Mal die Woche Training bereits als Leistungssport bezeichnet wird, ist es in den USA Gang und Gebe fünf Mal die Woche zu trainieren und am Wochenende auch noch Turnierspiele zu haben. Das Tennisteam der Blue Earth Area High School rund um Trainerin Konny Wolff und ihre Tochter Karleigh Wolff kam zuerst jedoch nur schleppend voran. Verletzungen plagten das Team immer wieder aufs Neue. Kapitän Hunter schien manchmal ein wenig verzweifelt. Oft waren wir im Training nur zur viert oder manchmal sogar nur zu dritt. Nummer 2 Doppelspieler Martin viel sogar für die ganzen ersten zwei Wochen aus. Justus, ein Gastschüler aus Bonn, der mit mir zusammen in Elmore, Minnesota lebte, wurde als zweiter Doppelspieler gesetzt. Ich durfte als Nummer 1 Singles Spieler des  Teams ran. Kapitän Hunter, der über die letzten drei Jahre Nummer 1 Singles Spieler war, schien dies nicht besonders zu gefallen, doch zeigte er sich einsichtig.Click to Close

F1: Blue Earth Area Boys Tennis Team 2014

V.l.n.r.) manager, Karleigh Wolff, Leon Chaudhari, Justus Thelen, Martin Granados, Jaron King, Chandler Kienitz, Hunter Meyers and coach Konny Wolff. Front row, left to right, Mason Kehr, Parker Kienitz, Spencer Petersen and Spenser Timmerman.

Unser erstes Spiel sollte in Waseca nach drei Wochen der Vorbereitung stattfinden. Ich kann nur so viel sagen; Es war schrecklich. Wir fuhren eineinhalb Stunden nach Waseca um vom Platz gefegt zu werden.

F2: In Waseca

Ich verlor in meinem ganzen Leben nie 0:6,0:6 außer in Waseca. Ich musste gegen den State Champion, den besten Tennisspieler in Minnesota, mich bewähren.  Ich nahm mir vor es beim nächsten Spiel besser zu machen. Das Team schien hungrig. In der Woche nach dem Spiel in Waseca trainierte das Team so hart wie noch nie. Auch wenn nicht alles klappte, machte das Team nach dieser Woche einen viel besseren Eindruck. Das nächste Spiel in St. Peter sollte dennoch nicht einfach werden. Hoch gelegen über der Stadt St. Peter lag die St. Peter University und auch die Tennisplätze der umliegenden High Schools. Schon in der Vergangenheit förderte St. Peter großartige Tennisspieler.  So brachten sie auch dieses Jahr wieder ein brilliantes Team hervor. Ich verlor dieses Mal mit  2:6, 3:6. Es wurde zumindest besser.

F3: In St. Peter 

Viele Wochen vergangen mit Turnieren und hartem Training. Coach Wolff ließ keinen hängen. Sie diente als Motivationsspritze und ihr „Play Smart“ das zusammen vor jedem Spiel mit Süßigkeiten kam, ließ uns zur Höchstform auflaufen. Spiel um Spiel wurde das Team besser und erfahrener. Vor ein paar Jahren wurde Blue Earth State Champion im Tennis, erst letztes Jahr State Champion im Football, doch was sollte dieses Jahr bringen? Wir mussten es herausfinden. Die nächsten Spiele verliefen durchwachsen. Wir rungen um den Sieg. Manchmal bekamen wir ihn, manchmal nicht. Jeder sehnte sich nach dem Spiel gegen Fairmont, den Erzrivalen von Blue Earth. Schüler aus Fairmont waren für uns wie Schüler aus Iowa oder Kanada. Keiner mochte sie. (Eigentlich habe ich keine Vorurteile gegen andere Teile der Welt, doch um den „team spirit“ ein wenig anzuheizen, verfluchten wir unsere Gegner. In gewisser Weise sollte es helfen.)

F4: In Redwood Falls

Zwei Tage nach dem Abschlussball sollte das Spiel gegen Fairmont stattfinden. Mein Promdate Tashina war auch anwesend als ich das Spiel meines Lebens spielte. Drei Stunden. Drei Sätze. Dann sollte der Sieger feststehen. Den ersten Satz gewann ich knapp, den zweiten Satz gewann mein Kontrahent. Und der dritte Satz ging dann an mich. Blue Earth machte zwar nicht den Tagessieg, doch ich machte mit diesem Sieg meinen Titel SCC Champion (South Central Conference Champion) perfekt. Nach ein wenig mehr als zehn Spielen stand das entscheidende Spiel in St. Peter statt. Es war bereits sommerlich warm und Temperaturen von bis zu dreißig Grad brachten uns ordentlich ins Schwitzen. An diesem Tag sollte mein Kontrahent ein siebzehnjähriger, gerade einmal ein wenig mehr als 1,60m große Junge aus dem Norden von Minnesota sein. Schon mein Trainer sagte, dass er nicht zu unterschätzen sei. Das Spiel endete nicht gut. Bis heute sehe ich ihn immer noch als den besten Gegner den ich jemals hatte. Er machte so gut wie nie einen Fehler und hatte die Gabe egal aus welchem Winkel auch immer den Ball des Gegners zurück spielen zu können. Oft versuchte ich mit Druck ihn zu besiegen. Es klappte bei weniger als fünfzig Prozent der Bälle, weil man irgendwann Fehler machte. Er agierte wie eine Maschine und spielte jeden Ball zurück über das Netz, selbst wenn er sich dafür auf den Platz werfen musste. Letztendlich verlor ich das Spiel mit 4:6 und 4:6. Ich konnte es nicht fassen. Das Team auch nicht. Jeder von uns verlor an diesem Tag.

F5: In New Ulm

Heute, wieder zurück in Deutschland, denke ich oft über unser Tennisteam nach. Sport bringt Jugendliche näher zusammen. Besonders wenn man ein Austauschschüler ist.
Ich kann jedem empfehlen während eines Austausches in ein Team einzutreten. Egal ob es nun Sport oder Kunst, Musik oder Tanz ist.

Ich selbst fand wahre Freunde mit denen ich bis heute Kontakt halte und wünsche jedem die guten Erfahrungen, die ich in Minnesota erfahren durfte! 

Formal Dance (Teil 2)

21April2014

Formal Dance (Teil 2)

Dieser Artikel berichtet über mich und mein Date Tashina zum Formal Dance an der Blue Earth Area High School in Blue Earth, Minnesota. Dies ist der zweite Teil des Artikels. Den ersten Teil findet ihr unter: http://www.high-school-community.de/content/photostory/formal-dance-teil-1

… Als wir bei Melanie ankamen, stand schon ihr Vater in der Haustür. Er wusste nicht, dass ich Tashinas Date für diesen Abend war. Er schien nicht unglücklich darüber zu sein. Nun hatte er jemanden dem er seine Deutschkenntnisse vorführen konnte. “Eins, zwei, drei…”, fing er an zu zählen als Melanie sich zwei Mal künstlich räusperte. Mr. Schneider ging mit mir zu seinem Sideboard um mir seine deutschen Bierkrüge zu zeigen. Er offenbarte mir an diesem Abend auch seine Auswanderungspläne. Ihn ziehe es nach Bayern, er suche nach mehr deutschen Rezepten, könne sich jedoch nicht mir dem deutschen Bierkonsum identifizieren. Mr. Schneider war mir normalerweise nicht besonders sympathisch. Dieser Abend warf alle meine Ansichten über den Haufen. Schon alleine seinen Schuldirektor in Jogginghose, Adidas-Pullover und Flip-Flops zu sehen, zauberte mir an diesem Abend ein Lächeln über das Gesicht. Melanies Mutter die an diesem Abend auch anwesend war, schoss Fotos von uns.

F1: Ich, Tashina, Melanie und Andy (v.l.n.r.)

Einige von nur mir und Tashina, einige von Melanie und ihrem Freund Andy, mit dem sie an diesem Abend zum Ball ging. Andy und ich verstanden uns auf Anhieb. Tashina, Melanie und Andy aßen Pizza am Küchentisch der Schneiders. Ich hielt mich ein wenig zurück. Wir unterhielten uns und die Schneiders wurden mir mehr und mehr sympathisch.

Tashina und ich stupsten uns hin und wieder unter dem Tisch an. Auch hier huschte ein Lächeln über unsere Gesichter. Ich freute mich nun sehr auf den Ball. 

 

Um kurz vor sieben Uhr fuhren wir los. der Ball sollte in der Hamilton Hall nahe von Blue Earths Hauptstraße stattfinden. Als wir vor der Hamilton Hall parkten drückte mir Tashina eine Handtasche in die Hand. Sie konnte sich wegen ihren hohen Absätzen auf dem spiegelglatten Untergrund kaum auf den Beinen halten. Ich bot ihr an sie zu tragen…sie machte sich jedoch Sorgen ob man wegen ihrem Kleid ungelegene Einblicke haben könnte. Sie hielt sich nun an mir fest. Wir retteten uns ins Warme. Die Halle war erstaunlich klein, nicht mehr als 30 x 40 Meter. Wir waren eines der ersten Paare. Ungefähr zehn Paare waren bereits vor uns angekommen. Fünfundsiebzig Paare wurden erwartet. Nach einer halben Stunde schienen jedoch alle Paare angekommen zu sein. Tashinas Freundinnen waren eingetroffen und umzingelten sie nun regelrecht. Die Jungs aus dem Fitnessraum mit denen ich trainierte waren auch da.

F4: Conner, Isaac, Tristan, ich, Hohe, Juan (v.l.n.r)

Die Nacht begann. Wo Deutsche in Richtung Feiern ein wenig schüchtern sind, legen Amerikaner gleich los. Nach nicht mehr als zwei Minuten war jeder auf der Tanzfläche. Der Plan “formal dances” zu arrangieren verlief sich. “Informal dances” waren angesagt. Wir alle tanzten miteinander. Tashina und ihre Freundinnen zerrten mich immer wieder zu ihnen hinüber. Die Radiostation K12 übernahm die Rolle des DJs. Ich war überrascht von der Qualität. Anstatt von simplen Lieder hintereinander gespielt, arrangierten die DJs einige Mixes. In der hinteren Ecke des Ballraumes wurde eine kleine Bank aufgestellt und einige Vorhänge angehangen. jedes Paar sollte sich ein wenig verkleiden und durfte dann Fotos schiessen. Auch wenn ich die Idee ziemlich albernd fand, ließ ich mich doch von Tashina dazu hinreißen. Sie legte mir einige Sachen an, einige Sachen wieder ab, und einige Sachen wieder an, bis sie ein paar Blumenketten fand und sie mir umwarf. Sie selbst legte sich einen Federschal um. Zur Verfügung hätten uns auch noch Zombiemasken und Ritterrüstungen gestanden. 

Tashina und ich gingen wieder zurück auf die Tanzfläche als ein Herr von K12 auf der Bühne plötzlich das Mikrofon in die Hand nahm, die Musik leiser machte und sagte: “Tashina Hanson, bitte komm’ auf die Bühne”. Tashina guckte mich fragend an. Sie passierte langsam durch die Menge, die nun für sie einen kleinen Gang öffnete. Sie stand nun auf der Bühne. Zwischenzeitlich gesellte sich Hunter zu mir. Tashina stand bereits für ungefähr 20 Sekunden auf der Bühne als ein Junge die Bühne betrat sich das Mikrofon nahm und sie fragte: “Tashina, möchtest du mit mir zum Prom gehen?”. Tashina antwortete nicht. Sie starrte mich an. Wahrscheinlich sah ich so verzweifelt wie sie in diesem Moment aus. Sie hielt sich die Hände vors Gesicht und schaute immer noch zu mir. Sie schaute zu Boden, schaute auf, schaute zu mir und umarmte den Jungen. Die Menge schien dies als “ja” aufzufassen. Aus einem Teil der Menge erklungen “Buh”-Rufe, ein anderer Teil der Menge jubilierte. Tashina’s Freundinnen und meine Freunde waren sicherlich genau so geschockt wie ich. Tashina verließ die Bühne und ging mit ein paar von ihren Freundinnen in einen Nebenraum. “Sie wird doch wohl nicht zu diesem Deppen “ja” gesagt haben?! Bitte nicht er, bitte nicht Jose…”, versuchte Hunter mir beizupflichten. 

Nach fünf Minuten tauchte Tashina jedoch wieder auf. Sie umarmte mich und entschuldige sich so weit sie es an diesem Abend konnte. Ich sah wie eine kleine Träne ihre Wange herunter kullerte. 

“Es tut mir so unendlich leid. Ich möchte gar nicht mit ihm zu Prom gehen. Du weißt wie wichtig mir so etwas ist. Es tut mir so leid”. 

“Lass uns den Abend genießen. Wir finden eine Lösung”, sagte ich zu ihr im Wissen, dass meine entspannte Haltung dazu sicherlich nicht meiner tatsächlichen Gefühlswelt entsprach. Der Prom ist in Amerika mit Abstand das Wichtigste im ganzen Jahr und wer wen zum Prom ausführt ist jedes Jahr heiß diskutiert. Umso wichtiger ist es das “bessere” Date zu haben. Wahrscheinlich ist dies auch eine der Eigenarten mit denen ich mich noch zurechtfinden muss. 

Der Abend fing ab diesem Punkt erst richtig an. Tashina und ich ließen dieses Geschehnis unter den Tisch fallen und genossen unsere Zeit. Nachdem wir schon einige doch sehr merkwürdige Cha Cha Cha Tänze in Gruppen tanzen mussten, griff sich nun Mr. Holmseth, mein Lehrer für Money Management, das Mikrofon. Er kündigte einen Tanzwettbewerb an, der hier und jetzt stattfinden sollte. Zu diesem Zeitpunkt sah ich auch Spenser zum ersten Mal wieder nachdem ich das Auto in Tashinas Garageneinfahrt verlassen hatte. Er trug einen schwarzen hut, eine braune Karo-Jacke, eine Kordhose und eine schwarze Sonnenbrille. Ich nannte den Stil gewagt. Er trat zur ersten Disziplin im Wettbewerb an. Es sollte sich um Discofox handeln. Spenser interpretierte es ein wenig extrovertierter und tanzte alleine andere Paare an. Ich nannten auch diesen Stil gewagt. 

Nach sechzig Sekunden war der Spaß jedoch auch schon wieder vorbei. Anschließend sollte Cha Cha Cha folgen. Einige Paar traten auf die Tanzfläche um gegeneinander anzutreten. Jedes Mal nach den sechzig Sekunden wurde durch das Johlen der Menge festgestellt wer die Disziplin gewonnen hatte. Beide Male sollten es Haakon und seine Freundin gewinnen. Bei dem dritten Tanz sollte es sich um Swing Dance handeln. Einige von Tashinas Freundinnen drückten mich schon ein wenig auf die Tanzfläche als Mr. Holmseth mich entdeckte und lauthals an zu schreien fing: “Wir brauchen einen Autauschschüler. Wer ist dafür?”. Natürlich johlte die Masse und nun schubsten mich Tashinas Freundinnen regelrecht auf die Tanzfläche. “Leon, Leon, Leon, Leon!!!”, echote es nun aus allen Ecken des Saales. Ich drehte mich um, nahm Tashinas Hand und geleitete sie mit mir. Die Masse verstummte, die Musik spielte und die Zeit verging. Schon nach gefühlten fünf Sekunden war das Lied zu Ende und wir verließen nach der Wahl für den besten Tänzer die Tanzfläche. 

Den Rest des Abends verbrachten wir mit “informal dancing” (club-like).

Tashina, ihre Freundinnen und ich schossen noch ein paar Fotos und unterhielten uns, als Mr. Holmseth zum Mikrofon griff und den letzten Tanz ankündigte. Es sollte Slow Dance sein. Auch nun wieder nahm ich Tashina bei der Hand und wir reiten uns bei den anderen Paaren ein. Ihre Arme schlingen sich langsam um meinen Hals und meine Hände umfassten ihre Hüfte. Wir schauten uns lange in die Augen und wechselten ein paar Worte, doch wir beide wussten, dass jedes Wort an dieser Stelle zu viel war.

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich mich an diesem Abend nicht in sie verliebt hätte. All meine Distanz, Aufregung und Sehnsucht entblühte nun in einem Kribbeln in meinem Bauch. Die Schmetterlinge tanzten und umhüllt vom Schwarz der Nacht kehrten wir den Heimweg ein… 

Die Zeit verstrich. 

Fast einen Monat später saß ich im Homeroom, einem Kurs der Dienstag und Donnerstag stattfindet. Frannie, eine gute Freundin von mir, die ich erst durch Tashina richtig kennen lernte, flüsterte zu mir herüber: “Leon, hast du schon die Neuigkeit gehört”

“Nein. Was ist passiert?”

“Tashina geht nicht mehr mit diesem Typen zum Prom!”

“Wiebitte?”, meine Stimme schien mir ein wenig zu entgleiten. “Wie konnte das denn passieren? Bist du dir sicher?”

“Ja, sehr sicher, komm’ mal rüber”. Ich setzte mich zu ihr hinüber und schaute auf ihr Handy. Es zeigt einen Brief geschrieben von dem Jungen. Ich las ihn und schmunzelte. Wahrscheinlich war es eine Art von perplexer Galgenmoral, doch konnte ich mein Glück kaum fassen. Ich traf nach dem Homeroom Tashina auf dem Gang. Sie kam bereits auf mich zu mit einem großen Strahlen. “text me”, flüsterte sie mir ins Ohr und verschwand in der Menge der Schüler. 

Ob wir tatsächlich zusammen zum Prom gehen könnt ihr schon bald in meinem nächsten Artikel lesen! 

Alles Liebe aus Elmore, Minnesota, 

Leon 

Formal Dance (Teil 1)

21April2014

Formal Dance

Am Samstag den 1. Februar 2014 sollte es soweit sein; ich sollte meinen ersten Ball in Amerika miterleben. Die Vorbereitung tat sich umso schwerer. Drei Wochen vor dem BEA Winter Formal Dance saß ich im Compositionkurs und grübelte darüber nach wen ich als mein Date für den Ball ausführen könnte. Unglücklicher Weise wusste ich jedoch nicht wer bereits vergeben war und wer nicht. Ich wollte mich nicht blamieren eine bereits gefragte Person ein zweites Mal zu fragen. Ich zerbrach mir einige Zeit darüber den Kopf, bis ich mit Hunter, einer nun guten Freundin von mir, ins Gespräch kam.  Schon nach einigen Sätzen zwinkerte sie mir zu und flüsterte „Nimm Tashina, komm schon!“. Tashina saß direkt neben ihr. Ich kannte sie bis zu diesem Tag nur vom Sehen. Sie schien vertieft in ihren Aufsatz zu sein. Ich wusste dass Tashina letztes Jahr zum Prom (dem Abschlussball) mit dem Quarterback des Football Teams gegangen war. Ich begann mich mit mir ein wenig zu unterhalten. Erst über triviale Sachen, dann langsam über den anstehenden Formal Dance. Sie sagte mir sie sei noch nie mit einem “foreigner” zu einem Ball gegangen. Ich mochte sehr. Ich spielte tatsächlich schon zu diesem Moment mit dem Gedanken sie zu fragen, ob sie mit mir zum Ball gehen möchte. Doch sollte ich wirklich eine für mich Fremde fragen? 

Als ich die Frage in meinem Kopf ausformuliert hatte, kam sie mir schon wieder nichtig vor - ich musste Tashina fragen! Ich unterhielt mich an diesem Tag für einige Zeit mit ihr und sympathisierte immer mehr mit der Idee sie auszuführen. Auch in den kommenden Tagen unterhielt ich mich wieder mit Hunter, einer ihrer besten Freundinnen, die mich dazu anleitete etwas kreatives mir auszudenken um sie zu fragen. Die Zeit wurde jedoch knapp. Schon eine Woche nachdem ich mit Hunter das erste Mal sprach, musste man sich auf der Gästeliste bei Mr. Holmseth, Lehrer an der High School, für den Ball einschreiben. Fünf Dollar wurden als Eintritt fällig. 

Hunter und ich dachten ein wenig darüber nach wie man Tashina fragen könnte. Wir kamen zu dem Entschluss, dass es das Beste wäre, ihren Locker in irgendeiner Art zu gestalten. Wir einigten uns auf Ballons, die, wenn Tashina den Locker öffnen würde, herausfallen würden. 

Es war bereits Mittwoch als ich mich nach der Schule um 15.05 Uhr zu WALMART aufmachte. (WALMART ist eine Supermarktkette in den USA; Vergleichbar mit “Real” oder “Kaiser’s”.) Am Freitag sollten die Tanzpaare angemeldet werden. An diesem Tag war das Wetter selbst für Minnesota ungewöhnlich schlecht. Temperaturen von bis zu -51°C ließen selbst amerikanische Flaggen in manchen Teilen der Stadt gefrieren. Mir bliebt jedoch an diesem Tag nichts anderes übrig als von der High School herüber zu WALMART zu laufen. Ein Fußmarsch von fünfzehn Minuten ist bei diesen Temperaturen keineswegs zu verachten. Jeder Schritt bedeutete Ungleichgewicht und die kleinen Eiskristalle unter meinen profillosen Sohlen zerplatzen bei jedem Schritt in lautem Knacken. Die Hauptstraße, die in den letzten Monaten wegen Umbauarbeiten geschlossen wurde, war nun auch bereits wieder geöffnet. Ich lief so schnell ich konnte immer darauf bedacht nicht hinzufallen. Nach fünfzehn Minuten kam ich ein wenig durchgefroren bei WALMART an. Ich fand die Ballons auf anhieb. Ich suchte nach einigen schönen Farben und entschied mich schlussendlich dafür ein paar mehr als nötig zu kaufen um eine größere Auswahl zu haben. Ich ging so schnell es geht wieder zurück. Langsam spannte die Haut an meinem Gesicht ein wenig und ich fühlte wie sich Risse in der Haut an meinen Fingern bildete. 

Nach fünfzehn Minuten kehrte ich zur High School zurück. Es war bereits 15.45 Uhr. Um 17.30 Uhr sollten mich Justus, ein Gastschüler aus Bonn, Deutschland, und seine Gastmutter Vicki abholen. Vorher wollte ich eigentlich noch mit ein paar Freunden im Geräteraum trainieren gehen. Ich suchte mir einen leeren Raum und begann die Ballons aufzublasen. Öfter mal kamen ein paar Schüler vorbei und schauten gespannt zu. Nach ein paar Minuten kamen Kyle, ein guter Freund von mir, und Dakota, den ich bis dahin noch nicht besonders gut kannte, zu mir in den Raum und halfen mir die Ballons aufzublasen. Kyle gab schon nach dem ersten Ballon auf. Dakota trug seinen Teil bei, indem er die Ballons hochhielt und sie mich beschriften ließ. Ich hielt es simpel. Auf dem ersten Drittel der Ballons stand „Formal“, auf den restlichen zwei Dritteln der Ballons stand „Leon“ auf der Vorderseite und ein Fragezeichen auf der Rückseite geschrieben. Nach einer halben Stunde waren wir fertig. Wir dachten der schwere Part sei geschafft. Wir irrten. Es war bereits 16.15 Uhr. Nun sollte ein Weg gefunden werden die Ballons so anzuordnen, dass sie alle zusammen aus dem Schrank herausfallen würden. Die meisten jedoch luden sich gegenseitig statisch auf, sodass sie aneinander regelrecht fest zu kleben schienen. Die gängigen blauen 1980er Schullocker verhinderten jegliches Rausfallen der Ballons. Kyle schien keine Lust mehr zu haben und ging nach hause. Dakota und ich standen derweilen immer noch vor dem Locker. Die Zeit verstrich. Es reichte mir. Es gab keinen Weg die Luftballons in den Locker zu platzieren, ohne dass sie sich statisch aufluden und aneinander klebten. Ich stopfte die Ballons nun also auf gut Glück in den Locker. Ich schaute mir mein Werk noch einige Male an, bis ich nach ungefähr zehn Minuten mit Justus, der bereits auf mich wartete, das Schulgebäude verließ. 

Ich freute mich am kommenden Morgen Tashinas Gesicht zu sehen. Hoffentlich würden die Ballons sechzehn Stunden die Luft halten können. Ich hoffte es sehr. Umso frustrierender war es, als ich am kommenden Morgen erfuhr, dass ausgerechnet an diesem Donnerstag die Schule wegen einer Blizzardwarnung ausfallen würde. Nun musste ich hoffen, dass die Luftballons die Luft für vierzig Stunden halten können. 

Am darauf folgenden Morgen holten Justus und Vicki mich von meinem Haus mit ihrem Auto ab. Wir fuhren zur Schule. Die Straßen waren immer noch in schlechter Verfassung. Es gab für Vicki jedoch keinen Grund weniger auf das Gaspedal zu treten. Wir kamen wie immer um 8.20 Uhr an. Um 8.25 Uhr beginnt die Schule. Als Justus und ich durch die Gänge zu unseren Lockern wanderten kreisten meine Gedanken um Tashina. Ich machte mir ein wenig Sorgen ob die Luftballons vielleicht schon all die Luft verloren hatten und Tashina sich zu Tode schämte. Vielleicht werden mich ja ein paar Jungs auf den Gängen ansprechen oder schräg angucken, dann wüsste ich zumindest, dass etwas falsch gelaufen war. Dem war jedoch nicht so. Zu meiner Überraschung traf ich Tashina. Sie stürmte auf mich zu und sagte nur “JA”. Von ihren Freundinnen hallte es “Good job, Leon!”. Tashina und ich schienen beide sichtlich erleichtert. Wie in Amerika üblich wollten wir eigentlich zusammen noch ein Foto vor dem Locker schießen. Die Schulklingel ertönte jedoch und die nächste Stunde fing bereits in drei Minuten an. Wir entschieden uns dazu nach dem zweiten Unterrichtsblock das Foto zu schießen. 

Mein erster Unterrichtsblock war an diesem Tag wie üblich American History. Die Stunde verging für mich wie im Flug. Auch mein darauf folgender Unterrichtsblock “Composition”, den ich zusammen mit Tashina hatte, verging schnell. Als endlich der Pausenton ertönte, eilten Tashina und ich zum Locker. Hunter war auch dabei. Sie wollte für uns das Foto schießen.

Als wir an Tashinas Locker ankamen, war ich erleichtert. Keiner der Ballons hatte auch nur annähernd an Luft verloren. Tashina und ich legten unsere Sachen ab, schossen ein paar Fotos und gingen zusammen in die Cafeteria. Ich schaute mir auf dem Weg dorthin die Fotos an. Selbstkritisch wie ich bin, verdammte ich mich auf den Fotos und lobte Tashina. Der Formal Dance war nun nur noch zwei Wochen entfernt und es gab noch viele Vorbereitungen zu treffen…

Schon nach einigen Tagen schickte mir Tashina einige Fotos von ihr in ihrem Kleid. Es war ein blau-grünes kurzes Kleid ohne Träger. Unteranderem schickte sie mir auch Fotos von Schülern beim Formal Dance in den letzten Jahren. Um ehrlich zu sein, fand ich jedes Outfit der Jungs grässlich und schlug ihr einen eleganten James Bond-ähnlichen Tuxedo vor. Ich konnte sie schnell für den Tuxedo gewinnen. 

Bereits am kommenden Nachmittag fuhren mein Gastvater Richard, meine Gastmutter Margaret und meine Gastbrüder Andrew (13) und Spenser (16) mit mir zu Enderson Clothing in Fairmont, einer nahliegenden Ortschaft an der Grenze zu Iowa. Vorher mussten wir jedoch noch einmal nach Blue Earth, einer Stadt zwischen meiner “Gaststadt” Elmore und Fairmont, um Geld abzuheben. In Elmore wollte keine ATM Maschine Geld freigeben. In Blue Earth fuhren wir zu einer nahliegenden Tankstelle Names Kwik Trip. Ich hob vierhundert Dollar zur Sicherheit ab und war nun zusammen mit meiner Gastfamilie auf dem Weg nach Fairmont. Schon der Hinweg war ein wenig hektisch. Meine Gastmutter und meine Gastbrüder fingen an sich über Haarfarben zu streiten. Mein älterer Gastbruder scherzte darüber sich die Haare bald tönen zu lassen. Meine Gastmutter nahm dies für bahre Münze. Nach zwanzig Minuten Fahrt kamen wir jedoch schon an. Meine Gastmutter war nach dem energischen Eingreifen meines Gastvaters verstummt. Jeder schaute aus dem Fenster. In Fairmont kostete es uns fünf weitere Minuten bis wir in der städtischen Einkaufsmeile auf ein großes Schild von Enderson Clothing stießen. Wir parkten vor der Tür und traten ein. Meine Gastmutter wirkte noch ein wenig steif gesessen von der Fahrt. Sie taumelte eher als das sie lief. Im Laden selbst begrüßte mich bereits eine Angestellte mit den Worten “Hi honey, how can I help you?”. Solch einen Service vermisse ich in Deutschland. Ich schaute mich anschließend kurz im Spiegel an und äußerte anschließend meine Wünsche. Meine Gastfamilie schien damit nicht besonders einverstanden zu sein. Ich wollte mich an diesem Tag für einen sportlichen schmal geschnitten schwarzen Anzug entscheiden, ganz wie James Bond. Meine Gastfamilie wollte mir einen weißen weitgeschnittenen Anzug aufbürden. Ich probierte ihn an, fühlte mich jedoch wie in einem Kaftan. 

Die Hose war viel zu weit, doch die Augen meiner Gastmutter leuchteten auf. “Ja, nehm’ den Anzug, der sieht wunderschön an dir aus”, versuchte sie mir beizubringen. 

“Naja, ich weiß nicht. Um ehrlich zu sein, würde ich lieber etwas schmaler geschnittenes haben.” Ich sah wie sich ihr Gesicht langsam zu einer Fratze verzog. Ich wusste, dass sie darüber nicht glücklich war. Meine Gastvater lief ein wenig im Laden herum und schaute sich einige Anzüge an. Minnesota, das ich vor einigen Wochen bereits zum “Land der schlechten Krawatten” krönte, machte mir heute wieder alle Ehre. Mein Gastvater holte einige Krawatten für mich. Ich sollte mich entscheiden zwischen einer Schneemannkrawatte, einer Reentierkrawatte oder einer Krawatte mit Schneeflocken. 

“Hier, probier’ die mal an; Die werden dir sicherlich gut stehen”, versuchte mir mein Gastvater mit einem Grinsen über beide Backen beizubringen. Die tiefen Falten, die sich beim ihm neben den Augen durch das Grinsen bildeten, verschwanden, als meine Gastmutter mit ihren Krawattenvorschlägen kam. Auch sie fand eine Reentierkrawatte, die ihr besonders gefiel. Meine Gastbrüder Andrew und Spenser hatte sie auch im Schlepptau. Andrew brachte mir eine Ninja-turtle Krawatte. Ich war überrascht, dass es so etwas tatsächlich zu kaufen gab. Er meinte seinen Vorschlag eher scherzhaft. Im Nachhinein bereue ich, dass ich die Ninja-turtle Krawatte nicht gekauft hatte. Die Krawatte wäre ein interessantes Mitbringsel aus Minnesota gewesen. 

Stephanie, eine Mitarbeiterin von Enderson Clothing kam nun auf mich zu.

F3: Stephanie und ich bei Enderson Clothing, Fairmont, MN 

Sie schien zu bemerken, dass ich nicht besonders gute Ratschläge von meiner Gastfamilie bekam. Sie und eine weitere Mitarbeiterin zeigten mir einen Katalog von Anzügen. Ich wunderte mich sehr über einige der Modelle. Es gab komplett rosafarbene hello-kitty Anzüge bis hin zu grün-braunen Camouflage Anzügen. Ich entschied mich für einen schwarzen, sehr schmal geschnittenen Anzug.

Stephanie hatte Deutschland bereits ein paar Mal besucht und wusste ganz genau welchen Anzug ich gerne haben mochte. Nachdem ich einen Anzug nach meinen Vorstellungen gefunden hatte, fuhren wir umgehend nach hause. Auf dem Weg zurück nach Elmore, hörten wir wie auch sonst immer Werke von Bach bis Zanetti. Nach einer halben Stunde erreichten wir Elmore, dessen Wasserturm aus dem nebligen Dunst der Abenddämmerung hervor glimmerte. Der Abendhimmel färbte sich in Rot- und Violettönen. 

Drei Tage später, an einem Mittwoch, fuhren wir nach Fairmont zurück um den Anzug abzuholen. Mein Gastvater wartete auf mich vor der High School und wollte dann mit mir auf direktem Wege nach Fairmont fahren - so zumindest war der Plan. Wie gewohnt sah die Realität jedoch mal wieder anders aus. Gerade als sein Tacho 70 mph erreichte, fing unser Auto an in eine Art Schwingbewegung zu verfallen. Wir überlegten was der Grund sein könnte. Doch schnell mussten wir feststellen, dass es auf die Rätsels Lösung erst einmal keine Antwort gab. An diesem Tag wollte ich mich eigentlich auch mit Tashina treffen. Wir wollten einige Tanzschritte einstudieren und uns mental auf den großen Abend vorbereiten. Unser Zeitplan war eng. Um 15.20 Uhr verließen wir die High School. Bis zu Enderson Clothing in Fairmont dauerte es 30 Minuten. Mit Hin- und Rückfahrt eingeschlossen, hätten wir ungefähr 40 Minuten gehabt um den Anzug abzuholen, anzuprobieren und ihn zu verstauen. Ich hielt vierzig Minuten für ausreichend und machte mir keine Sorgen bis meine Gastvater mit grimmigen Gesicht und der Stirn in Falten das Auto langsam vom Highway hinunter auf einen der Landwege manövrierte. “Wir müssen langsamer fahren; Zwanzig miles per hour maximal”, sagte er mit dem Finger auf das Tacho zeigend. Ich wusste, dass ich an der Situation nichts ändern konnte. Ich nahm meine Kamera heraus und begann Fotos zu schießen.

F4: Auf dem Weg nach Fairmont

Mein Gastvater dachte immer noch über den Reifen nach. Noch immer hatten wir keine Erklärung. Das einzige was wir wussten war, dass der Reifen im Ungleichgewicht zu sein schien. Mein Gastvater malte sich schon die Kosten aus. 

“Du wirst hungern müssen Leon, vielleicht werden wir dich sogar verkaufen müssen”, sagte er. 

“Ich hoffe ihr verlangt einen guten Preis.”

“Siebendreivierzigneunundhundert Dollar, Deal?”

“Deal!”  

Er gab mir eines seiner breiten Lächelns. Auch in diesem Moment realisiert ich wieder was für ein Geschenk es war ihn als meinen Gastvater zu haben.

F5: Mein Gastvater Richard

Eine halbe Stunde später erreichten wir Fairmont. Anstatt 30 Minuten brauchten wir nun jedoch 50 Minuten. Tashina hatte an diesem Tag Cheerleader Practice und hätte sich nur für eine Stunde mit mir treffen können. Ich versuchte Zeit wo immer es möglich war zu sparen. Ich freute mich auf den Nachmittag. Bei Enderson Clothing angekommen probierte ich den Anzug an. Er saß perfekt. Ich schoss noch eine paar Fotos mit Stephanie, der Dame, die mich bereits letztes Mal beriet, und verließ mit meinem Gastvater eilig das Geschäft. Was ich jedoch zu erst ein wenig zu verdängen schien, waren die Probleme am Auto. Mein Gastvater warf noch einmal einen kritischen Blick auf das Auto. Als ehemaliger NAVY Offizier schien es ihm nur all zu größte Freude zu bereiten herauszufinden was an der Technik nicht stimmte. Es schlug vor zur Ford Werkstatt gleich um die Ecke zu fahren. Im wahrsten Sinne des Wortes war die Garage gleich um die Ecke, sodass wir schon nach wenigen Sekunden uns auf dem Parkplatz zur Garage befanden. Ich schrieb Tashina bereits eine Nachricht und sagte ihr, dass ich ein paar Minuten später kommen würde. Mein Gastvater und ich fuhren das Auto in die Garage. Nach ungefähr fünfzehn Minuten des Wartens und free popcorn, das wir als kleine Belohnung zum Warten erhielten, bekamen wir die Antwort auf unser Problem. Das vermeintliche Schwingen erzeugte lediglich ein Eisblock am Vorderrad. Auf dem Heimweg fuhr das Auto wieder in alter Bequemlichkeit. Um 17.30 Uhr erreichten wir Blue Earth. Tashina und ich hatten uns bereits miteinander ausgetauscht. Wir trafen uns an diesem Tag nicht. Sie schrieb mir an diesem Tag endlos viele Nachrichten. Ich schickte ihr ein Foto von dem Anzug und sie mir die ausschweifensten Komplimente. Der Anzug schien sich bereits bezahlt zu machen. 

Am kommenden Tag sahen wir uns wieder beim Lunch. Ich sah immer wieder ihre Augen flüchtig über meine Person gleiten. Immer wieder trafen sich unsere Augen und ein Lächeln huschte über unsere Gesichter.

-

Es wurde Samstag. Meine innere Anspannung stieg und meine Herz fing langsam an höher zu schlagen. Am Morgen ging ich noch einmal joggen. Die Zeit schien zu langsam zu vergehen. Als es dann jedoch endlich Zeit zum Aufbruch war, wurde ich sehr nervös. Ich kannte so etwas nicht von mir. Viele Leute beschreiben mich als einen Menschen, der Nerven wie Drahtseile hat. Heute jedoch schien mich der Fakt, dass ich ein sechszehnjähriger Schüler aus einem weit entfernten Land in einem weit entfernten Land auf seinem ersten Ball mit seinem ersten Date für einen Ball und hohe Erwartungen ein wenig zu überwältigen. Mein Gastbruder Spenser ging auch zum Ball. Er wollte jedoch zuerst zu seinem Freund Haakon, der nahe von Tashina in Blue Earth wohnte. Wir stoppten in Blue Earth noch einmal kurz bei Kwik Trip. Anschließend brachte mich mein Gastvater zu Tashina. Als wir in ihre Einfahrt fuhren sah ich sie schon in ihrem blauen Kleid am Fenster. Sie sah bezaubernd aus. Mein Gastvater gab mir einen kleinen Klaps auf die Schulter und beglückwünschte mich zu meinem Date. Ich verabschiedete mich, gab meinem Gastvater noch einmal kurz bescheid, dass Tashina mich nach dem Ball nach hause bringen würde und verschwand dann im Haus. 

Als ich das Haus betrat, tat sich für mich jedoch erst einmal eine ungewohnte Situation auf. Tashinas gesamte Familie saß im Wohnzimmer und schaute mich gespannt an. Ich wünschte ihnen einen guten Abend und fragte nach ihrem Wohlergehen. Sicherlich wäre mir auch etwas kreativeres eingefallen, an diesem Abend wollte ich jedoch nichts falsch machen. Ich unterhielt mich ein paar Sekunden mit ihrer Familie, dann geleitete mich Tashina bereits in ihr Zimmer.  Sie gab mir sehr viel Kraft an diesem Tag. Wir redeten ein paar kurze Worte. Sie nahm mir meinen Anzug aus der Hand und legte ihn auf ihr Bett. Ich sollte mich umziehen. 

Nach zehn Minuten war ich umgezogen und ging ins Wohnzimmer. Ihre Familie gab “ooooh”s und “ahhhhh”s von sich. Tashina gab mir ihr schönstes Lächeln. Wir unterhielten uns noch ein wenig mit ihrer Familie, besonders jedoch mit ihrem Vater, der mich wahrscheinlich schon als seinen neuen Schwiegersohn sah. Nach einiger Zeit schnappte sich Tashina meine Hand und wir übten ein wenig tanzen. Ihre Tante und ihre Mutter halfen uns. Von Cha Cha Cha bis Swing; Wir probierten alles aus. Swing Dance lag uns am besten. 

Wir tanzten für fast eine Stunde bis wir uns auf zu Melanie, einer Freundin von Tashina, machten. Vorher jedoch schossen wir erst einmal Fotos. Tashinas Eltern zückten ihre Kameras, Tashina ihr iphone. Wir schossen einige Fotos im Wohnzimmer, gingen dann jedoch nach draußen, wo wir immer noch Temperaturen von -30°C hatten. Tashina tat mir ein wenig leid in ihrem kurzen Kleid.

Wir setzten uns gerade in ihr Auto, als mir auffiel, dass ich meine Fliege im Haus vergessen hatte. ich stieg noch einmal aus und legte die Fliege an. 

Ich schlitterte meinen Weg zurück ins Auto und setzte mich neben sie. Wir schossen noch einige Fotos miteinander und fuhren anschließend los zu Melanie.

Auf dem Weg zu Melanie kam mir jedoch plötzlich ein Gedanke: Melanie war nicht einfach nur Melanie, sie war Tochter des Schuldirektors Mr. Schneider. Ich fand den Gedanken sehr interessant. Am Abendhimmel zeigte sich Mond in seiner vollen Pracht. Tashina erzählte mir im Auto zudem, dass einige Jungs aus der Schule sie zum Prom ausführen wollten, sie hätte jedoch jedem “nein” gesagt. Sie fuhr langsamer, kam fast zum Stoppen und flüsterte mir ins Ohr: “ Ich habe zwei Jungs von der High School schon abgelehnt. Du bist viel besser als die ganzen anderen Jungs. Wir gehen zusammen. Versprochen”. Wie sehr diese Worte später nachhallen sollten, konnte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht erahnen...

#justinminnesota (1)

01April2014

I. Cold Temperatures

Wenn man Minnesotas Wikipediaseite aufruft, findet man für die „twin cities“ (Minneapolis und St. Paul) im Winter Maximalwerte von -11°C. Derzeit sind es hier jedoch -51°C (mit Wind). Von meiner Heimatstadt Berlin bin ich doch eher moderatere Temperaturen gewöhnt. Ich werde von diesem Jahr viele Eindrücke und Erfahrungen mit nach hause nehmen. Was mir jedoch am besten hängen bleiben wird, ist der Fakt, dass die Natur nicht zu vernachlässigen ist. Der Mensch heutzutage hat Angst davor seine Anstellung zu verlieren, nicht genügend Schlaf zu bekommen oder Überfallen zu werden, doch den Gedanken ans Sterben durch Kältetot scheint keiner zu hegen. 

F1: Elmores Hauptstraße

F2: Ein Geländer des Elmore Museums

Am Morgen oder nach der Schule nutze ich den Schulbus als Transportmittel, wenn meine Gasteltern mich nicht zur Schule bringen können. Das Problem an den Bussen hier in Minnesota ist, dass sie Aufgrund der häufigen Nutzung Gefahr laufen liegen zu bleiben. Falls dem so ist, besteht auf Grund tiefer Temperaturen natürlich ein hohes Risiko für Schüler Erfrierungen zu erleiden. Bei -51°C hat sich der Bundesstaat Minnesota dafür entschieden alle Schulen im Staat zu schließen. So auch meine Schule, die Blue Earth Area High School (BEA). Die Freude der Schüler war letzten Freitag selbstverständlich riesig, als sie erfuhren, dass die Schule am kommenden Montag geschlossen sein würde. Um ehrlich zu sein freute ich mich auch sehr.

F3: Ein herrenloses Auto auf einem Feld in Elmore 

Die Weihnachtsferien, welche in diesem Schuljahr bisher meine einzigen Ferien waren, gingen nämlich leider nur über eineinhalb Wochen, sodass wir bereits am 2. Januar zurück in die Schule kehren mussten. Ein oder zwei Tage Schulfrei waren daher doch ganz angenehm. Derzeit haben wir Montag, den 6. Januar 2013, meinen erste Tag „Kältefrei“, wie die meisten es hier nennen. Die Schulen diskutieren bereits darüber auch morgen die Schule zu schließen oder einen „late start“ zu geben. Noch gegen Abend soll heute eine Entscheidung bekannt gegeben werden. Mein Gastbrüder hofften das Wochenende inständig, dass noch ein paar Tage rangehangen werden. Vielleicht werden ihre Gebete ja erhört… 

II. VIOBLUE SKY

Als ich den Titel diesen Teils des Artikels mit meinen Gastbrüdern besprach, fragten sie mich was er bedeuten würde. VIOBLUE ist eine von mir gewählte Umschreibung für Minnesotas besonderes Licht. Als ich vor sechs Monaten erfuhr wo meine Reise in den USA hingehen würde, sammelte ich erst einmal einige Informationen über den Bundesstaat in den es mich verschlagen sollte. Googelt man „Minnesota“ stößt man auf zwei Wikipedia Artikel, mn.gov und die Webseite der University of Minnesota. Alle Quellen verwiesen auf Minnesota einzigartige Natur. Minnesotas Spitzname ist „das Land der zehntausend Seen“. In Wirklichkeit beherbergt Minnesota um einiges mehr als zehntausend sehen. Was mir bei den Wikipedia Artikeln auffiel, war die Zusatzinformation „Minnesotas einzigartiges Licht“. Was damit gemeint war, bemerkte ich erst als ich „abroad“ kam. Als mich meine Gastmutter am ersten Tag abholte, fuhren wir, nachdem wir dem Stau um Minneapolis herum entkommen waren, nach Elmore, welches ich heute mein HOME SWEET HOME nennen dardf. Wir aßen. Anschließend fuhren mich meine Gasteltern nach Iowa um mir

Ledyard, eine kleine Stadt an der Grenze zu Minnesota, zu zeigen. Auf dem Rückweg wurde es bereits dunkel und ein weit gefächertes Farbenspektrum wie ich es noch nie zuvor gesehen hatte eröffnete sich mir am Abendhimmel.

Wenn ich von meinem Raum aus dem Fenster schaue, kann ich das Spektakel mitverfolgen. Manchmal mache ich auch einfach mal einen Spaziergang und schaue es mir an. Minnesotas Licht fasziniert mich auch nach vier Monaten noch immer.

Christmas Time

01April2014

Liebe GLS-Community, werte Leserinnen und Leser,

Weihnachtszeit ist immer etwas besonderes, vor allem wenn man mal nicht zuhause ist. Irgendwo zwischen Minnesota und Iowa lässt es sich jedoch auch festlich feiern. Wünschte ich mir doch sehnlichst in Deutschland weiße Weihnachten, kann ich hier davon nicht genug bekommen. Temperaturen von -40 °C versüßten mir die Weihnachtszeit. Schon vor drei Wochen, als ich meine Gastfamilie zu einem Spiel der Minnesota Vikings einlud, war es bitter kalt. Die Wetterbedingungen waren 2013 in Minnesota extrem. Im Sommer waren es an einigen Tagen +40°C, nun sind es vierzig Grad Celsius unter dem Gefrierpunkt. Meine Gastfamilie wollte Weihnachten miteinander verbringen. Einladungen gingen an die ganze Familie der Sunderlins, meiner Gasteltern. Leider war es jedoch den meisten nicht möglich zu erscheinen. Immerhin sollten wir vierzehn Personen zusammen an Christmas Eve sein. An den Tagen zuvor richtete meine Gastmutter in meiner Mithilfe das Haus festlich her. Alles wirkte auf mich sehr amerikanisch, mit viel Schi Schi und Prunk.

F1: Unser Weihnachtsbaum und ich am Weihnachtsmorgen. 

Die Weihnachtsdekoration war amerikanisch wie kitschig, doch mir gefiel es. Meine Familie zuhause in Deutschland feiert Weihnachten eher verhalten mit einem Essen am Weihnachtsabend bei meiner Tante. In Amerika ist alles jedoch ein wenig anders. Was mich am meisten verwunderte war, dass der eigentliche Festakt am 25. Dezember stattfinden sollte. In Deutschland öffnen die meisten Kinder bereits am 24. Dezember ihre Geschenke, nicht so jedoch bei meiner Gastfamilie. Ich musste mich bis zum Morgen des 25. Dezembers gedulden.

F2: Weihnachtsgeschenke von meiner Mutter an mich. 

Am nächsten Morgen war dann jedoch die Freude umso größer. Andrew und Spenser, meine beiden Gastbrüder, und ich rannten zum Weihnachtsbaum. Meine Gasteltern waren bereits für einige Zeit wach und saßen auf der Couch. Andrews und Spensers Augen leuchteten als sie endlich das Geschenkpapier von den Päckchen reißen konnten. 

Ich freute mich besonders über das Geschenk, welches mir meine Mutter schickte. Ich wusste es würde Süßigkeiten enthalten. 

Nach dem Auspacken der Geschenke kam auch schon die Familie. Einen brunch/lunch sollte es geben. Brunch/lunch heißt in Amerika: Truthahn, Aufläufe, Nudelsalat, Kartoffelsalat, Taccos mit Dip, Käsetoasts, Zimtpancakes, normale Pancakes, Kartoffelbrot, Bananenbrot, Obstsalat, Joghurt und einiges mehr. Auch wenn ich hungrig war, wollte ich die Zierde der Bescheidenheit  

nicht missachten. Oder sagen wir es so; ich ließ mir einfach Zeit mit Essen. 

F4: Chocolate Fudge! 

Nach dem Essen saßen die Herren der Schöpfung vor dem Fernseher und die Frauen wuschen ab. Ich half Ihnen auf zwei Wegen: ich wusch mit ihnen ab und half auf meine persönliche Art die Teller zu leeren - Teamarbeit im engeren Sinne!

Meine Gastbrüder saßen im Nebenraum am Computer und spielten MINECRAFT. Matt, der älteste Enkel meiner Gastfamilie, war auch anwesend. Er ist 26 Jahre alt. Seine Frau und Kinder brachte er mit sich. Sein jüngster Sohn Zack übte Laufen während die Jungs spielten. 
Er tat sich jedoch retlich schwer. Er war unermütlich. Es schien ihm Spaß zu machen, bis er sich den Kopf am Tisch stoß. Matt musste den Tröstenden spielen. Als sich Zack wieder erholte, schossen wir ein paar Familienfotos. 

F5: Mein Gastvater Richard, ich und meine Gastmutter Margaret (v.l.n.r.)

F6: Mein Gastvater und ich. (v.l.n.r.)

Nach einiger Zeit des Wartens konnte ich dann auch endlich ein paar Fotos mit meinen Gastbrüder schießen. Die ganze Familie kam nun zusammen. Alle warteten gespannt auf die Aufnahmen. Mein Gastbruder Andrew drehte sich nach einiger Zeit zu mir und meinte "That's mainstream, let's do something more creative". Ich schaute ihn an und packte ihn an der Hüfte - ein etwas anderes Familienfoto entstand...

F7: Mein Gastbruder Andrew und ich (v.l.n.r.)

Das letzte Foto, das an diesem Tag geschossen wurde, war von meinem Gastbruder Spenser und mir. Noch heute schaue ich mir immer wieder das Foto an. Wenn es um Fotos geht wird er englisch (schüchtern). Die Ähnlichkeit des Blicks verglichen zu seinem Großvater, meinem Gastvater, ist offensichtlich.

F8: Mein Gastbruder Spenser und ich (v.l.n.r.)

Der Abend neigte sich zum Ende. Mein amerikanisches Weihnachtsfest konnte kaum amerikanischer sein. Ich genoss es sehr und werde viele Eindrücke mit nach hause nehmen. Die Weihnachtszeit markierte auch das Ende der ersten fünf Monate meines Austauschjahres. Zwei Wochen gaben mir Zeit nachzudenken und Pläne für das kommende Jahr zu schmieden.

Doch so lang ich auch dachte, ich wusste, ich traf die richtige Entscheidung in die USA zu gehen! 

A Minnesota Timberwolves Game

01April2014

Liebe GLS-Community, werte Leserinnen und Leser,

 

Basketball ist Nationalsport in Amerika. Umso mehr freute es mich einmal einem Spiel beiwohnen zu dürfen. Unsere „representative“ Kathy, die sich um unsere Sorgen und Nöte kümmert, lud alle Austauschschüler in und herum Minneapolis ein sie und ihre Angestellten zu einem Basketballspiel der Minnesota Timberwolves im Target Center, Minneapolis, zu begleiten. Wir Austauschschüler waren uns gegenseitig bereits bekannt bzw. waren bereits gute Freunde geworden. Schüler aus Brasilen, Norwegen, Italien und Deutschland sollten and diesem Tag anwesend sein. Viele von ihnen brachten ihre Gastfamilien mit zum Spiel. Justus, ein anderer Austauschschüler aus Bonn und seine Gastmutter Vicki sollten mich nach Minneapolis an diesem Tag begleiten. Von Elmore, welches ich derzeit mein „Home Sweet Home“ nennen darf, bis nach Minneapolis brauchten wir zwei Stunden. Justus hörte auf der Fahrt Musik und ich las in der Novelle Forbidden City. Als wir in Minneapolis ankamen und uns durch dichten Verkehr zwängten, parkten wir in einer der vielen Tiefgaragen. 

Wir waren zwei Stunden bevor das Spiel begann im Stadion. Wir gingen in die Target Lounge. Justus hörte noch immer Musik. Ich las ein wenig in den vielen Klatsch- und Tratsch-Magazinen. Nach einiger Zeit trudelten die anderen Gastschüler ein. Viele bekannte und unbekannte Gesichter umgaben uns. Wir schütteln Hände und hielten Small Talk. Nach einiger Zeit gingen wir langsam zusammen ins Stadion. Alles schien sich an diesem Tag auf eine Person zu konzentrieren: Ricky Rubio, den Star der Minnesota Timbervolves. Zuerst erschien mir Rubio als unscheinbar; ein bärtiger 1,93m Hüne, der jedoch zuerst als „zu klein“ eingestuft wurde, nun jedoch zum Star im Team avanciert war. Nach einiger Zeit gingen wir dann gemeinsam ins Stadion. Leider waren unsere Sitzplätze nicht besonders gut, sodass wir vor dem Spiel noch einmal alle gemeinsam zum Spielfeldrand gingen und einige Fotos miteinander aufnahmen.

 

 

Nun konnten wir Rubio zum ersten Mal aus der Nähe sehen. Rubio wirkte klein, auch wenn er gerade einmal vier Zentimeter kleiner ist als ich. Muse’s Uprising und Chromeo’s Bonafied Lovin spielten ununterbrochen und ein Mann neben dem Spielfeldrand schrie gefühlte eine million mal „Rubio, do it for me!“. Er schien damit das Einkörben zu meinen.  Das Target Center füllte sich langsam. Justus und ich gingen nun mit den anderen Schülern zu unseren Sitzplätzen. Nach zwanzig Minuten sollte das Spiel in amerikanischer Manier beginnen. Zuerst wurden die Timberwolves Spieler mit großer Show vorgestellt und anschließend die Spieler des gegnerischem Teams aus Boston ausgebuht. Was für ein Spektakel! 

Die Minnesota Timberwolves verschenkten an diesem Tag keinen Punkt. Jeder Korb des anderen Teams war hart erkämpft. Das Spiel an sich war wie üblich in vier Viertel unterteilt. Die ersten beiden Viertel waren die spannendsten, weil noch nicht sicher war welches Team die Oberhand im Spiel haben würde. Nach einige Zeit wurde dann jedoch mehr als deutlich: Minnesota war haushoch überlegen! Dies sollte sich auch bis zum Ende des Spiels nicht ändern. Während des Spiels fielen Justus und mir immer wieder ein Junge auf der mit einem Pferdekopf nach der Aufmerksam der Kameras buhlte. Wir nahmen später ein Foto mit ihm… Zwischen dem dritten und vierten Viertel gingen Justus und ich zu den WCs. Wir unterhielten uns ein wenig auf Deutsch am Waschbecken als uns ein junger Mann ansprach. Er fragte uns welche Sprache wir sprechen würden und wo wir herkämen. Er freute sich sehr, dass wir aus Deutschland kommen und lud uns ein mit ihm Skifahren zu gehen. Er schien nett, doch die ganze Angelegenheit ein wenig suspekt. Wahrscheinlich war er einfach nur ein wenig angetrunken. Wir kehrten anschließend zu unseren Sitzplätzen zurück. Die Timberwolves gewannen schlussendlich mit 18 Punkten Vorsprung. Justus, Vicki und ich verließen anschließend eilig das Stadion. Es war bereits Abend geworden. Um das Stadion öffneten Bars. Sonst war es allemal finster. Wir gingen zurück zur Tiefgarage um unser Auto abzuholen. Auf dem Rückweg hielten wir noch einmal kurz bei Subway in der Nähe von Bloomington an. Nach einigen Minuten waren wir wieder zurück und wohl gesättigt. Der Weg zurück nach Elmore konnte angetreten werden…

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